Dieser Tage habe ich viel mit Menschen gesprochen, die sowas sagen wie: Das ist doch eh gelaufen mit diesem Klima. Schaffen wir nicht. Bringt ja nix mehr, sich zu engagieren. Das macht mich inzwischen richtig wütend. Wir sitzen auf dem Oberdeck der Titanic, und sie sinkt – im Vergleich mit diesem Schiff – noch ziemlich langsam. Wir haben Möglichkeiten, wir haben Ressourcen, Zeit, Geld, Kraft, Ideen. Andere kämpfen ums Überleben, oder können sich gerade so retten, oder wissen nicht wie lange ihre Länder noch bewohnbar sind.
Wir sind die, die noch in der Lage sind, das Steuerrad zu finden und diejenigen zu schütteln die dahinter stehen, oder selbst danach greifen, und schauen wie es denen in den unteren Decks geht. Wie das geht? Das geht auf hunderte Weise, es fängt im ganz Kleinen an – gestern war ich mit einer Kirchen-Freundin unterwegs, und sie nahm ganz selbstverständlich einen Sechser Wasser mehr mit und verteilte sie an diejenigen, die gerade ohne Dach über dem Kopf vor Kaufland sitzen. Das ist Nächstenliebe. Es geht dabei weiter, sich zu versichern ob es denen gut geht, die verwundbarer sind als wir selbst. Nach links und rechts schauen.
Aber es geht weiter. Jedes Zehntel Grad, das wir die Erde NICHT weiter aufheizen vermeidet Leid, verschafft uns Zeit Ideen zu entwickeln, die uns helfen können. Das Thema ist unbeliebt, natürlich ist es das, aber wir dürfen nicht aufhören uns damit zu befassen, es anzusehen, es zu durchfühlen in all seiner Grausamkeit, in all dem was es an Verzweiflung und Reue und Hilflosigkeit mit sich bringt. Es ist ein Dienst an der Gemeinschaft, es weiterzutragen, darüber zu sprechen. Nicht müde zu werden. Sich trauen zu nerven. Die unsichtbaren Folgen sichtbar zu machen. Für diejenigen die Stimme zu erheben, die das nicht selbst können. Die unsere Medien nicht mitdenken, nicht zeigen. Sich einzubringen. Politisch, aktivistisch, vor Ort, wo auch immer. Nein, das ist keine normale Zeit. Das ist eine Schicksalszeit.
Und doch ist es nie vorbei. Vorbei ist es erst, wenn wir tot sind. (Und wie vorbei es dann ist, wissen wir erst wenn wir da sind!) Bis dahin ist es ein Privileg, auf dem Oberdeck zu sitzen und zu seufzen, dass es hoffnungslos ist, während die unteren Stockwerke absaufen.
Trotz all dem bin ich jeden Tag dankbar, in dieser Zeit leben und wirken zu dürfen. So viel ist krass, ist chaotisch, ist unabsehbar, so viel steht auf dem Spiel. Aber wie bei Terry Pratchett die kleinen blauen Männer, versuche ich zu denken: Wow, so viel gegen das man kämpfen darf! Es gibt unendlich viel zu verlieren, und es gibt unendlich viel zu retten an der Schönheit der Welt, der Intaktheit der Lebensgewebe, der unbegreiflichen Wunder dieses Planeten, der Liebe und Verbindung zwischen allen und allem.
Wir wissen so wenig, über das Zusammenspiel dieser Wunder untereinander, über den menschlichen Geist und wie er mit der Materie interagiert. Vielleicht ist das die Balance, die ich anregen würde zu versuchen: Sich mit allem was man hat in den Kampf um die Schönheit und Würde der Erde zu werfen, und in all dem nie vergessen, dass wir nicht wissen müssen auf welche Weise es gutgehen kann. Nur, dass es gutgehen kann, dass Wunder möglich sind. Und dass es vielleicht nur gutgehen kann mit uns und durch uns.
A-men.